Münchner Feuilleton Frebruar 2014

 

 

 

Auf Natur und Botanik bezieht sich Martina Pruzina- Golser in ihren Papierarbeiten, in denen die Zeichnung noch weiter ins Dreidimensionale erweitert ist. Schicht um Schicht werden die bezeichneten Papiere mit Skalpell in feinsten Schnitten freigelegt, vegetabile Formen mit Hilfe von Zeichnung und Papierkonstruktionen nachgebildet und in Objektkästen als Naturstücke nachempfunden. Manche der Arbeiten wirken in ihrer symmetrischen, oftmals medaillonförmigen Anordnung ornamental, andere wiederum – etwa die zarten, minutiös ausgeschnittenen Netzstrukturen – wie Gewebe von Pflanzenfasern, oder die um ein menschliches Herz arrangierten Zeichnungen wie Nervenverbindungen. Mit ihren inhaltlichen und handwerklichen subtilen Arbeiten möchte die Künstlerin das Augenmerk auf die Formensprache der Natur und ihren schützenswerten Reichtum richten.

 


Text Silvie Aigner

 

 

Ausgangsbasis der Zeichnung beziehungsweise Papierobjekte von Martina Pruzina-Golser ist die Beschäftigung mit botanischen Fachbüchern und Abbildungen von mikroskopischen Aufnahmen sowie selbst gefundenen Pflanzen. Nahsichtigkeiten die Pruzina-Golser ursprünglich auf Transparentpapier zeichnete. Bereits diese Zeinungen waren durch das schichten von mehreren Papieren dreidimensional und faszinierten durch ihre räumliche Wirkung. Räumlichkeit und Tiefenraum spielt sich erwartungsgemäß in der Zeichnung auf der zweidimensionalen Ebene ab, so sind das Entgegentreten dieses ungewöhnlichen Umgangs mit dem Medium und der durchdachte formale Aufbau ihrer Werke beeindruckend.An die Stelle des Transparentpapiers trat in der Folge ein opakes Zeichenpapier auf das Pruzina-Golser ihre detailgenauen Zeinungen setzt. Eine reflektive Arbeit, die versucht die Beziehung zwischen Natur und Kunst, zwischen dem Gegenstand und der formalen Qualität mikroskopischer Pflanzenansichten sowie deren abstrakte Qualität durch die künstlerische Umsetzung in Einklang zu bringen. Neben den verschiedenen Papierschichten, erzeugt auch der Gegensatz zwischen Hell und Dunkel sowie das arbeiten mit verschiedenen Grauwerten, die besondere räumliche Wirkung der Zeichnungen. Licht und die subtil eingesetzten Farben sowie der Raum zwischen den leicht verschobenen Blättern bestimmen den Wert der wechselnden Flächenerscheinung. Gerade durch diese Konzentration und Zusammenfassung in der Zeichnung vermag die Kunst die zerstreute Anregung der Natur zu Übertreffen und geht über das was der Künstlerin als Ausgangsmotiv diente weit hinaus. Die Zeichnung entfaltet fortan ihre eigene Dynamik.